Auf der Kläranlage in Rahden wurden langfristige Investitionen in ein optimiertes Schlamm-Management getätigt
Nachdem das Investitionsprojekt „4. Reinigungsstufe“ erfolgreich abgeschlossen wurde, beschäftigte sich die Stadt Rahden und der Betreiber der Kläranlage mit der Sicherstellung der langfristigen Entsorgung des Klärschlamms.
Zur Sicherstellung der Entsorgung des Klärschlamms muss für den Verwerter ein durchschnittlicher Trockensubstanzgehalt (=TS-Gehalt) von mindestens 23,5 % realisiert werden. Des Weiteren sollte die Logistik verbessert werden. Um diese Anforderungen zu erreichen wurde in eine Zentrifuge und ein automatisiertes Schlammstapel- und Verladesystem investiert. Das neue Stapel- und Verladesystem möchten wir im Folgenden kurz vorstellen.
Nach der Entwässerung des Klärschlamms ist eine effiziente Logistik der Schlüssel zu einem wirtschaftlichen Anlagenbetrieb. Moderne Stapel- und Verladesysteme ersetzen herkömmliche, offene Absatzmulden durch ein geschlossenes Silosystem. Dies optimiert nicht nur die Arbeitsabläufe, sondern schont durch reduzierte Transportwege auch aktiv die Umwelt.
Funktionsweise und technische Umsetzung
Der Prozess beginnt nach der mechanischen Entwässerung (mittels Zentrifugen, Schnecken- oder Bandpressen), bei der der Schlamm einen Trockensubstanzgehalt (TS) von etwa 20 bis 28 % erreicht.
Beschickung und Lagerung
Der pastöse Klärschlamm wird über Spiralförderer – speziell für dieses Medium entwickelte Schneckenförderer ohne Kernrohr – durch die Seitenwand in den Stapelbehälter gefördert. Der Behälter und Förderer sind als geschlossenes System konzipiert, was Geruchsemissionen minimiert und die Arbeitssicherheit erhöht.
Austrag und Verladung
Der Behälter ruht auf einer massiven Stahlkonstruktion. Im Bodenbereich sorgen sogenannte Gleitrahmen während des Verladevorganges für eine stetige Materialbeschickung der beiden mittigen, im Boden eingelassenen Austragsspiralförderer. Diese leiten den Schlamm an den eigentlichen Verladeförderer weiter. Dieser überhebt das Material auf die notwendige Durchfahrtshöhe, um Kippfahrzeuge mit hoher Transportkapazität in kürzester Zeit zu beladen.
Sensorik und Steuerung
Für einen vollautomatisierten Betrieb ist das System u.a. mit Messtechnik und präziser Sensorik ausgestattet:
- Wiegemessstäbe (Wägezellen): Diese befinden sich unterhalb der Stahlkonstruktion und ermöglichen eine exakte Erfassung des Füllstandes sowie eine Vorwahl der zu verladenden Schlammmenge (Bilanzierung).
- Sicherheitssysteme: Sechs Dachluken mit Endschaltern sowie zwei separate Radarsensoren dienen als mechanische und elektronische Überfüllsicherung und ermöglichen Wartungszugänge.
Die Vorteile auf einen Blick
Der Einsatz derartiger Systeme führt zu einer Steigerung der Flexibilität, Betriebssicherheit und Kostensenkung.
- Zeiteinsparung: Kurze Beladungszeiten durch hohe Austragsleistungen.
- Bilanzierung: Verwiegung des Schlamms direkt bei der Verladung.
- Hoher Automatisierungsgrad: Minimierung des Personaleinsatzes bei den Verladeprozessen.
- Optimale Logistik: Höheres Ladevolumen pro LKW führt zu weniger Fahrten und geringerer Umweltbelastung.
- Robuste Technik: Langlebige Komponenten, die speziell für die Anforderungen in der Abwasserreinigung ausgelegt sind.
Autoren
- Lutz Heitling / Huning Anlagenbau GmbH & Co. KG,
- Andreas Ebeling / Schumacher Kläranlagen GmbH und
- Dieter Nowak / Schumacher Kläranlagen GmbH




